Unterwegs im Moor

Freitag, 2. Juli 2021

Bei leider immer noch wolkigem Himmel entschieden wir uns nach dem Frühstück, nicht auf’s Fahrrad zu steigen und stattdessen mit dem Auto in die Nähe von Groß Hesepe, einem weiteren Ortsteil der Gemeinde Geeste, zum Moormuseum Emsland zu fahren.

Mit einem Besuch dort versteht man, warum die Region hier im westlichen Niedersachsen bzw. im Emsland so aussieht, wie sie nunmal aussieht. Nach der letzten großen Eiszeit, also vor ca. 11 000 Jahren, bildeten sich rund um die heutige Ems große Moore und daraus dann riesige Torfvorkommen. Zwar werden im Museum auch die geo- und biologischen Prozesse erklärt, doch die dürfen bei diesem Artikel mal vernachlässigt werden.

Torf ist schon seit dem Mittelalter, trotz einem geringeren Energiewert als Kohle, ein beliebtes Heizmittel. Die wenigen Moorbauern, die das Land hier besiedelten, lebten dann allerdings noch bis in die 30er Jahre ein tristes, hartes Leben in windschiefen Bauernhäusern. Vertreter der damaligen Regierung beschrieben die ansässigen Familien als „hottentottenartige Bevölkerung“.

Nach dem Krieg dann brauchte es neuen Raum und Arbeitsplätze, auch für Flüchtlinge aus dem heutigen Polen. Mit dem Emslandplan wurde also mit Hilfe riesiger Maschinen zuerst der Torf, der mittlerweile massiv an wirtschaftlicher Notwendigkeit verloren hatte, abgebaut. Anschließend bedurfte es neuer Technik, mit der dann die ganze Region umgepflügt wurde. Nun wurden auf neuen kleinen Höfen die Bauernfamilien angesiedelt, die dort teilweise bis heute leben.

Heute werden die wenigen erhaltenen Moorflächen, hauptsächlich aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes, wieder renaturiert. Im Museum, das von solchen renaturierten Flächen umgeben ist, leben zudem alte Haustierrassen, wie das Bentheimer Landschwein oder Landschaf. Von beiden Rassen werden hier Bratwürste, somit in Bio-Qualität, hergestellt. Nach den umfangreichen Infos stärkten wir uns dann mit einer solchen Wurst, die tatsächlich auch das und noch mehr hielt, was sie versprach.

So unweit der Grenze wagten wir uns dann am Nachmittag noch nach Coevorden (Kuhfurt) in der niederländischen Provinz Drehnte. Entlang der Landstraßen gab es alle paar Meter viele, kleine Bauernhöfe zu bestaunen. Im Ort fiel schnell auf, dass hier, und damit wäre dann das Klischee erfüllt, auch wirklich jeder Fahrrad fährt.